7 Trends im Buchmarkt 2026

von yvonne 

Seit 2017 bin ich in der Buchbranche aktiv, als Buchcoach, als Verlags- und als unabhängige Autorin. Und natürlich beobachte ich den Markt, von dem ich ein Teil bin, mit großer Spannung. Seit meinen Anfängen hat sich wahnsinnig viel getan. Die Branche ist seit Jahren im Umbruch, und diese Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Für nächstes Jahr erwarte ich einige Veränderungen, die auch für dich als Autor*in relevant sind. Diese haben sich schon in den Zahlen zum Buchmarkt 2024 angedeutet. Die wichtigsten Trends im Buchmarkt für das Jahr 2026 habe ich in diesem Artikel für dich zusammengestellt.

Trend 1: Persönlichkeit als wichtigster Faktor

In Zeite von KI, Social Media und Individualisierung auf dem Höhepunkt wird es immer wichtiger, wer ein Buch geschrieben hat. Ohne deine Persönlichkeit einfließen zu lassen und auch im Buchmarketing zu zeigen, wird es schwer. Menschen haben nach wie vor Lust auf gute Bücher. Sie werden aber skeptischer und geiziger mit ihrer Zeit. Der Auswahlprozess wird daher länger: Bücher werden nach Empfehlung und/oder von Autor*innen gekauft, die man schon kennt.

Dich als Autor*in zu zeigen, schafft Vertrauen. Und sorgt am Ende dafür, dass deine Bücher besser und einzigartiger und auch mehr gekauft werden.

Trend 2: Die Zeit der kleineren Verlage und der Selfpublisher

Schon in den letzten Jahren zeigen sich einige klare Trends im Buchmarkt: Vor allem jüngere Menschen (unter 30) kaufen mehr Bücher als früher, alle anderen Altersgruppen eher weniger. Bestimmte Genres wie New Adult, Romantasy, Romance boomen so sehr, dass sie rückläufige Bereiche des Markts ausgleichen und für ein Umsatzwachstum insgesamt sorgen.

Lesegewohnheiten verändern sich also, und damit auch die Erwartungen des Markts. Wer darauf schnell und flexibel reagieren kann, ist im Vorteil. Und das sind oft nicht die großen bekannten Verlage, weil dort langfristige Verträge bestehen, viele Menschen mit unterschiedlichen Zielen in Entscheidungen eingebunden sind und dadurch alles länger dauert.

Profitieren können davon alle, die Entscheidungen selbst oder auf kurzem Wege treffen können, also unabhängige Autor*innen und kleinere Verlage, die ihr Programm in Zusammenarbeit mit den Autor*innen selbst entwickeln (also nicht allein auf Übersetzungen setzen). Das Print-on-Demand-Verfahren hat sich mittlerweile nicht nur im Selfpublishing, sondern auch für Verlage etabliert, die ihre Rezensionsexemplare oder Kleinstauflagen auf diese Weise drucken und weniger Risiko eingehen können. Daneben finden sich immer mehr Dienstleister am Markt, mit denen auch Selfpublisher hochwertige Kleinauflagen drucken und im Buchhandel vertreiben können. Die Möglichkeiten, Bücher zu veröffentlichen, werden also individueller und damit flexibler.

Wenn du ein Buch planst, schau dir also genau an, was Menschen jetzt gerade erwarten, und passe deine Idee entsprechend an, damit sie sowohl für dich als auch für die Leser*innen passt. Einen wichtigen Hinweis dazu findest du unten bei Trend 6.

Trend 3: Longseller vs. Bestseller

Nachdem jetzt sogar schon die Süddeutsche gemerkt hat, dass Spiegel-Bestseller nicht vom Himmel fallen, sondern oft strategisch mit der Unterstützung spezialisierter Agenturen oder Verlage (und einigem Budget) platziert werden, dürfte sich die Wahrnehmung des Bestseller-Status mittelfristig verschieben.

Vor ein paar Jahren war es noch der Amazon-Bestseller, mit dem sich viele brüsteten – und damit meiner Meinung nach über die tatsächlichen Verkaufszahlen ihres Buchs bewusst täuschten. Denn für einen Amazon-Bestseller in einer Kategorie reichen oft zwei oder drei verkaufte Bücher in einem kurzen Zeitraum aus. Wenn die Kategorie stärker umkämpft ist, müssen es auch mal 50 an einem Tag sein, aber eben keine 5.000. Sich damit „Bestseller-Autor“ oder „Bestseller-Autorin“ zu nennen ist mindestens frech. Um nicht wieder über das Thema zu ranten, verlinke ich einfach meinen Artikel zum Thema Bestseller.

In den letzten Jahren sieht man immer seltener, dass Amazon-Bestseller als großer Erfolg gefeiert werden, weil das bei den Leser*innen einfach nicht mehr zieht. Und genauso erwarte ich das bei den Spiegel-Bestsellern. Klar ist beides aus anderen Gründen immer noch erstrebenswert. Aber den wirklichen Erfolg eines Buchs sieht man nur langfristig. Bücher, die sich ein ganzes Jahr lang knapp unterhalb der Spiegel-Bestsellerlisten-Verkäufe tummeln sind trotzdem erfolgreicher und bringen ihren Autor*innen mehr als eine Woche lang auf Platz 20 und ein Aufkleber.

Mein Tipp für dich daher: Lege dein Marketing so an, dass sich deine Bücher regelmäßig und langfristig verkaufen, statt all dein Pulver und deine Energie (und dein Budget) in nur einer Woche zu verpulvern.

Trend 4: Umgang mit KI

Wenn man über Schreiben und KI liest, gibt’s gefühlt nur 2 Meinungen: Entweder ist KI der „Gamechanger“, mit dem du ohne Wissen, Erfahrung und Talent in 7 Minuten 90 Bücher schreiben kannst. Oder Künstliche Intelligenz ist Teufelszeug, und alle, die drei Mal laut „KI“ sagen, landen umgehend in der Hölle. Dazwischen scheint es nichts bis sehr wenig zu geben.

Ich bin grundsätzlich sehr an neuer Technologie interessiert, weswegen ich viel mit KI experimentiere (und auch ein Buch darüber geschrieben habe). Ein Buch damit zu schreiben halte ich aus vielen Gründen für unsinnig. Die zwei wichtigsten: Es entwertet den Prozess des Schreibens für einen selbst, sodass man sich eine wichtige Erfahrung nimmt. Und mit KI geschriebene Texte sind einfach nervig schlecht.

Trotzdem gibt es viele Dinge, für die man Künstliche Intelligenz auch im Schreibprozess einsetzen kann. Ich erwarte für 2026, dass sich hier ein differenzierterer Umgang entwickelt. Wir alle werden erfahrener und reflektierter, lernen die wichtigsten Tools besser kennen und entwickeln unseren Blick parallel zur Entwicklung der Technik. In meinen Programmen setze ich KI mittlerweile unterstützend ein, zum Beispiel in Form von CustomGPTs, die bestimmte Schritte im Schreibprozess gut begleiten können. In meinem im Mai erscheinenden Buch Story Spark gebe ich ebenfalls Tipps, wie sich KI verantwortungsvoll ins Schreiben integrieren lässt.

(Und ja, KI ist auch in vielerlei Hinsicht problematisch. Wie ungefähr jede Technologie. Statt sie zu verteufeln, könnten wir auch daran arbeiten, illegale Nutzung von Texten fürs KI-Training auszuschließen, KI sicherer zu machen, Strom- und Wasserverbrauch zu reduzieren.)

Trend 5: Ausschöpfen verschiedener Medien

Das E-Book ist ein alter Hut, und das Audiobook holt beständig auf. Ich gehe davon aus, dass 2026 Hörbücher noch eine wichtigere Rolle spielen werden und man nicht mehr umhin kommt, in möglichst allen Medien zu veröffentlichen.

Dabei ist jetzt schon zu sehen, dass die aktuell gängigen Medien nicht das Ende sind. Viele erfolgreiche Autor*innen bauen sich heute schon ihre eigene Community auf und testen neue Vertriebswege für ihre Bücher. Gerade online können wir auch als einzelne Personen Reichweite aufbauen und unsere Marke stärken. Deswegen sind digitale Formate gerade für Autor*innen wichtig, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Dadurch ist es auch möglich, Schritt für Schritt unabhängig von anderen Plattformen zu werden.

Trend 6: Lesen als Stressbewältigung

Die Welt befindet sich in der Multi-Krise. Das hat auf alle Branchen Einfluss, und auch auf den Buchmarkt. Aber nicht so, wie die meisten denken. In Krisen wird anders (und mehr) gelesen: Lesen dient zur Stressbewältigung, als Eskapismus. Zu Beginn von Krisen werden auch vermehrt Bücher gelesen, die direkt oder indirekt mit der Krise zu tun haben (zum Beispiel Die Pest von Albert Camus zu Beginn der Corona-Pandemie), aber sobald die Krise als persönlich belastend empfunden wird, werden Genres bevorzugt, die nichts damit zu tun haben.

Das erklärt ein Ansteigen bei Genres wie New Adult und Romance: Menschen wollen „schöne“ Geschichten lesen und so dem Alltag ein wenig entfliehen.

Im Sachbuch-Bereich bringt diese Entwicklung ebenfalls Chancen mit sich, denn Menschen suchen in Krisen positive Bewältigungsstrategien. Das kann eine Fortbildung sein, ein neues Hobby oder eine Entspannungstechnik – mit der richtigen Ausrichtung kannst du dein Thema auch in einer Krise gut platzieren.

„Anders lesen“ in der Krise bedeutet aber auch, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen sinkt. Das tut sie ohnehin durch die ansteigende Informationsflut; Ablenkungen durch Krisen sorgen aber dafür, dass dein Buch noch fesselnder und gleichzeitig leichter verdaulich sein sollte.

Trend 7: Demokratisierung der Branche

Als letzten wichtigen Trend sehe ich einen Wandel hin zur Demokratisierung der Branche. Das ist ein eher langfristiger Trend, der schon mit der Erfindung des Print-on-Demand-Verfahrens begonnen hat und durch Social Media, neue, boomende Genres und jüngere Zielgruppen fortgesetzt wird. Gatekeeping ist und war ein großes Thema im Literaturbetrieb. Doch Verlage sind keine Kultur-Institute, sondern Wirtschaftsunternehmen, was wir nicht erst wissen, seit Suhrkamp von einem Hamburger Unternehmer gekauft wurde. Die Trends, die ich für 2026 sehe, setzen alle die Leser*innen in den Mittelpunkt, und die wünschen sich vermehrt Vielfalt, realitätsnahe Themen und frischen Wind. Verlage, die auf Dauer Bestand haben wollen, werden diesen Trends folgen und müssen dafür den Zugang zum Buchmarkt für unterschiedliche Stimmen leichter gestalten. Ich freu mich drauf.

Welche Trends im Buchmarkt siehst du?

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