Ich mache seit über acht Jahren Buchmarketing – für meine eigenen Bücher und gemeinsam mit vielen Autor*innen, die ich als Buchcoach begleite. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Es sind fast nie die Strategien, an denen es scheitert. Was Buchmarketing wirklich ausbremst, sind Denkfehler.
Das liegt auch daran, dass uns niemand beigebracht hat, wie Buchmarketing funktioniert. Warum auch? Die meisten Menschen schreiben keine Bücher. Aber es gibt einige Fehler, die sich immer wieder einschleichen und die dafür sorgen, dass das Marketing nicht den gewünschten Effekt erzielt.
Fünf davon stelle ich dir hier vor. Und das Gemeine ist: Sie fühlen sich alle total logisch an. Erst wenn du sie erkennst, merkst du, wie sehr sie dich ausbremsen.
Fehler 1: Du denkst, du bist schon viel zu laut
„Yvonne, ich habe jetzt wirklich schon zehnmal über das Buch gesprochen. Ich kann nicht noch mehr darüber reden – ich nerve die Leute schon.“
Das höre ich ständig. Und ich verstehe das total. Sich hinzustellen und zu sagen: „Das ist mein Buch, kauf das doch bitte“, ist super unangenehm. Aber erstens müssen wir das gar nicht so machen – wir können ganz viele andere Sachen drumherum erzählen, Mehrwert liefern, verschiedene Blickwinkel zeigen. Und zweitens: Selbst wenn du es zehnmal gesagt hast, haben die Menschen es nicht zehnmal gehört. Die haben es vielleicht ein- oder zweimal mitbekommen. Sie brauchen jede Menge Kontaktpunkte, bevor sie verstehen, worum es bei dir geht und dass dein Buch wirklich für sie da ist.
Denn du hast über einen langen Zeitraum etwas erschaffen, an dem dir etwas liegt und mit dem du Menschen unterhalten oder unterstützen kannst. Damit das aber auch passiert, musst du loslegen und Menschen darauf aufmerksam machen. Es erscheinen jedes Jahr in Deutschland zwischen 56.000 und 70.000 neue Bücher. Niemand wartet auf deins, wenn du es nicht sagst – und am besten auch gleich mehrfach.
Ich erinnere mich da gerne an eine Kochshow, die ich vor bestimmt 20 Jahren mal gesehen habe. Der Koch sagte: „Richtig salzen geht so: so lange Salz, bis man denkt, jetzt ist wirklich genug – und dann noch mal die Hälfte der Menge drauf.“ Ich weiß nicht, ob das für Salz stimmt, aber fürs Buchmarketing stimmt es auf jeden Fall. Deine Schwelle, ab der du wahrnimmst, dass es jetzt zu viel ist, liegt zu niedrig. Pack da ruhig mindestens noch mal die Hälfte drauf.
Fehler 2: Du wartest darauf, dass jemand anderes es für dich macht
Ob Verlag, Agentur oder irgendeine andere Lösung – Hauptsache, man selbst hat nichts mit dem Buchmarketing zu tun. So funktioniert es aber nicht.
Natürlich unterstützen Verlage beim Buchmarketing. Aber sie sind nicht in der Hauptverantwortung. Das geht auch gar nicht. Niemand kann dein Buch so gut verkaufen wie du, weil Menschen ein Buch nicht kaufen, weil sie sich für den Verlag interessieren, sondern weil sie sich für den Autor, die Autorin und das Thema des Buches interessieren.
Du hast es geschrieben, du kannst es repräsentieren – und das solltest du auch machen. Schau dich ruhig mal auf Instagram um: Wie viele sehr erfolgreiche Autor:innen dort selbst aktiv Buchmarketing machen. Sebastian Fitzek zum Beispiel macht Werbung für seine Bücher. Das würde er sicher nicht tun, wenn es auch anders ginge.
Die meisten Menschen, die Bücher schreiben, schreiben lieber Bücher, als dass sie Buchmarketing machen. Und trotzdem machen die Erfolgreichen auf jeden Fall Buchmarketing. Wenn die Erfolgreichen Buchmarketing machen, solltest du es auch tun.
Das heißt nicht, dass du dich nicht unterstützen lässt, dir Beratung holst oder dich mit anderen austauschst. Sondern dass du auf jeden Fall in der Verantwortung bleibst. Egal, wie du veröffentlichst.
Fehler 3: Du investierst dein Budget an der falschen Stelle
Hier wird es unbequem. Denn dieser Fehler hat damit zu tun, wie wir Marketingchancen einschätzen – oder was wir vielleicht lieber machen.
Ganz klassischer Fall: Jemand traut sich nicht, bei Amazon-Anzeigen ein etwas größeres Budget einzusetzen – und mit „größer“ meine ich nicht tausende Euro, sondern vielleicht 5 oder 10 Euro am Tag über einen Monat hinweg. Gleichzeitig hat dieselbe Person für 300 Euro Lesezeichen und Postkarten drucken lassen, wo sie jetzt noch nicht weiß, an wen sie die verteilen soll.
10 Euro am Tag in Amazon-Anzeigen sind auch 300 Euro im Monat. Das erscheint manchen als unsicher oder als sehr viel. Die 300 Euro für die Lesezeichen? Völlig in Ordnung. Warum?
Es ist kein Fehler, Lesezeichen zu drucken, wenn du die gerne haben möchtest. Aber es wird dir im Buchmarketing nicht viel helfen, wenn du nicht weißt, wer diese Lesezeichen bekommt, und wenn du dir keine Strategie überlegt hast, wie sie dazu beitragen, dass dein Buch mehr verkauft wird. Wenn du dagegen Anzeigen schaltest und die Basis darunter stimmt, hast du irgendwann einen skalierbaren Hebel. Die 300 Euro kommen relativ zügig zurück – im Vergleich zu den Lesezeichen.
Was ich häufig sehe: Marketingmöglichkeiten werden nach dem Glanz bewertet, den sie ausstrahlen. „Mensch, das ist eine ganz tolle Gelegenheit“ oder „Dann kriegst du das Bestseller-Label auf Amazon.“ Die grundsätzliche Bewertung – was steckt dahinter, was habe ich davon, wie viele Bücher werden wirklich verkauft – fällt dann hinten runter.
Fehler 4: Du schaust deine Zahlen nicht an
Dieser Fehler bringt die meisten zum kurzen Zusammenzucken. Weil sie wissen, dass ich recht habe.
Viele Autor:innen haben über sich das Vorurteil: „Zahlen kann ich nicht.“ Das haben wir vielleicht in der Schule gelernt – dass man entweder Zahlen oder Texte kann. Das ist totaler Quatsch. Wir können alles, und wir können auch alles lernen.
Gerade im Buchmarketing ist es wichtig, sich Zahlen anzuschauen und zu verstehen: Das hat so und so gut funktioniert, das mache ich nochmal. Oder: Das ist meine Erwartung an folgende Maßnahme – und dann diese Erwartung überprüfen. Nicht aus dem Bauchgefühl heraus, sondern anhand von Zahlen, damit du datengetriebene Entscheidungen treffen kannst.
Die erste Idee darf natürlich aus dem Bauchgefühl kommen. Aber dann setzen wir uns hin und fragen: Was möchte ich damit erreichen? Wann ist es für mich ein Erfolg? Und hinterher schauen wir, ob es wirklich so war.
Manchmal stellt sich heraus, dass wir etwas mit ganz viel Herzblut gemacht haben – zum Beispiel die tollsten Postkarten der Welt ausgesucht –, aber unterm Strich nichts dabei rumgekommen ist. Dann heißt das, dass wir unsere knappen Ressourcen Zeit und Geld auf andere Dinge richten müssen. Das ist schade, aber wir schreiben das Buch ja nicht für die Schublade, sondern dafür, dass es möglichst viele Menschen erreicht.
Fehler 5: Du denkst, Buchmarketing ist irgendwann fertig
Und der letzte Fehler tut mir schon fast ein bisschen leid. Aber ja, es ist so: Wenn du ein Buch geschrieben hast und möchtest, dass es sich dauerhaft verkauft, dann gehört Buchmarketing ab jetzt zu deinem Job als Autor oder Autorin dazu. Immer.
Es ist eine der vielen Aufgaben, für die du Zeit finden musst, wenn du langfristig aktiv sein möchtest. Denn du baust nach und nach deine Marke auf, du schreibst weitere Bücher und musst auch die vermarkten. Gleichzeitig hast du deine Backlist und möchtest die weiter gut positionieren.
Und das Schöne an einem Buch ist ja, dass es nicht nur zwei Monate hält. Du hast auf Dauer ein Produkt geschaffen, das dir lange, lange Jahre etwas bringen kann.
Mein erfolgreichstes Buch ist mittlerweile über acht Jahre alt. Es verkauft sich nach wie vor regelmäßig – mehrfach täglich –, ohne dass ich Anzeigen darauf geschaltet habe. Aber es hat ein super Fundament. Und all meine anderen Bücher profitieren natürlich auch davon. Genauso wünsche ich mir das für dich: dass deine Bücher ein starkes Fundament für alles bilden, was danach kommt.
Dafür gehört Buchmarketing einfach dazu. Egal, wie du es am Ende machst.
Wie du jetzt weiterkommst
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